Geschichte

 

 

 

Weihnachten 1949, die Werkarchitektenprüfung gerade hinter sich, machte Hardt-
Waltherr Hämer Urlaub bei der Familie in Prerow. Dort war zu hören, daß in
Ahrenshoop eine Kirche gebaut werden sollte. Am 2. Januar 1950 besuchte er
also Pastor Pless mit der Frage, ob es schon einen Architekten gäbe: Die
Kirchen
gemeinde hätte nichts, außer einem Grundstück in Ahrenshoop. Das sollte er
mal ansehen, Zimmermeister Papenhagen, auf dessen Sommerveranda in
Ahrens-
hoop jetzt Gottesdienst gehalten würde, wüßte über alles Bescheid. Am nächsten
Morgen mit dem Fahrrad durch den Darß, um auf dem Grundstück der Kirchen-
gemeinde die möglichen Eckpunkte mit Meister Papenhagen abzustecken. Aber
Frau Papenhagen war dagegen: zwischen den Jahren würde Erde nicht gegraben,
sonst gäb's im neuen Jahr ein Grab. Deshalb kam es nur zu einer Skizze der Wege
und Bäume, mit der Hämer dann zum Pastor zurück fuhr. Pastor Pless meinte, Prof.
Noth (einer der Lehrmeister Hämers an der Hochschule für bildende Künste in Berlin,
der auch in Prerow zuhause war) hätte sich auch schon interessiert gezeigt, wenn
der nichts dagegen hätte, sollte Hämer mal einen Vorschlag machen. Das war vage,
aber so fing es an und blieb bisher auch so. Davon sei hier stark verkürzt berichtet
.

 

AUSZUG AUS DEM BAUTAGEBUCH
KIRCHE AHRENSHOOP 1950 - 1951:

13.09.49        Pastor Lic. Pless, Prerow, gibt Vorentwurf in Auftrag

26.02.50        VORENTWURF 
Zustimmung des Kirchenrats in Prerow 

28.02.50        Vorbesprechung bei Bauaufsicht in Rostock

02.08.50        ENTWURF 
 Zustimmung Gemeindekirchenrat durch Abstimmung 
10.08.50        Gemeindekirchenrat beauftragt Architekt beim Oberkirchenrat und 
Evangelischen Hilfswerk Berlin, Mittel für den Bau zu beschaffen.
11.08.50        STATISCHE BERECHNUNG 
und Entwurf mit Bauaufsicht vorbesprochen (Herr Bülow)   
24.08.50       Vom Kirchenältesten wird mitgeteilt, daß aus Greifswald Fragen 
an die Kirchengemeinde gestellt wurden, wonach der Entwurf formal nicht in
die Landschaft paßt. Derartige Lösung wäre nur bei Berücksichtigung des
Kurortes Ahrenshoop vertretbar. Ahrenshoop sei aber nur drei Monate im Jahr
Kurort, und das könne nicht maßgeblich für die Gestaltung sein. Eingang der geprüften Statikberechnung aus Rostock (PrüfingenieurBien).

01.09.50        BAUGENEHMIGUNG
Vollständige Bauvorlagen bei Baufaufsichtsbehörde in Rostock (Herr Ladewig und
Herr Bülow) vorgelegt und
sofort genehmigt.

09.09.50        Bauaufsicht fordert Fertigstellung des Rohbaus im laufenden Jahr.

13.09.51        LIEFERUNG UND TRANSPORT EISENTEILE
Verhandlungen mit Hilfswerk in Berlin, Vereinbarung zur Zuladung im Bäderomnibus
am S-Bahnhof Wedding - West-Sektor - am 14.09., da West-Lkw nicht in den Ost-
Sektor fahren dürfen.

14.09.50        Einladen des Eisens, in Bäderomnibus unter die Sitze der Kurgäste
geschoben, wie verabredet.
BESCHLAGNAHME am Kontrollpunkt Hohenneuendorf (angeblich unvollständige
Warenbegleitscheine). Ausgeladen auf eine Wiese beim Kontrollpunkt. Rücksprache
mit Hilfswerk
um Aushändigung der Warenbegleitscheine - des Westmagistrats.

15.09.50        Warenbegleitscheine nochmals vom Westmagistrat genehmigt und
unterzeichnet, Vorlage in Hohenneuendorf, dort wird zusätzlich Freigabe durch Ministerium für innerdeutschen Handel gefordert. Freigabe beim Ministerium erwirkt.

16.09.50        EISENFREIGABE von der Wiese am Grenzpunkt Hohenneuendorf
erreicht (durch Nieselregen erster Rostansatz war das überzeugendste Argument).
Von Hohenneuendorf Transport zum Kontrollpunkt Schildow. In der Nacht zum
17.09. Zuladung des Baueisens in Fischkühlwagen aus Sassnitz.

17.09.50        Ausladen in Ribnitz.
Schlosserei Blendin mit der Vorverarbeitung des Eisens beauftragt.
Weitertransport mit Motorboot Spatz nach Born vorgesehen am 23.09.

19.09.50        KRIMINALPOLIZEI aus Ribnitz erscheint mit vier Mann in Prerow:
Lastzug habe wegen des Baueisens Umweg über Ribnitz genommen. Und die
Ausfuhrgenehmigung hätte nicht ausgefertigt werden dürfen. Habe Herausgabe der
Begleitpapiere verweigert, weil ich meinte, daß ein Ministerium, das unterschreibt,
seine Kompetenzen kennt.

21.09.50        BAUPLATZTAUSCH (schon der Zweite!) von Kurdirektor des Kultur-bundes neuer Bauplatz energisch beanstandet. Es wird ein weiterer Bauplatztausch gefordert.

22.09.50        STOP DER BAUFREIGABE durch Bauamt Rostock, weil Bauholz
durch Spenden aus der Gemeinde gedeckt werden sollte, Ahrenshoop aber keinen
Holzbestand hat.

23.09.50        Klärung mit Bürgermeister Ahrenshoop; Holzbeschaffung durch
Kirchengemeinde, bestehend aus Prerow, Wiek, Born und Ahrenshoop.
Bürgermeister informiert Bauamt Rostock: Baufreigabe damit wieder möglich.
Bauplatztausch, Besichtigung: ein BAUM gefährdet Bauplatz, da außerhalb

der Reichweite der Hochspannungsleitungen gebaut werden muß.

24.09.50        Ahrenshoop, Zusammenkunft zur Beschlußfassung über den neuen
Bauplatz. ... Schreiben des Kulturbundes in Berlin kündigt Einmischung des
Volksbildungsministeriums an. Nach Ansicht des Herrn Lüning ist diese Forderung
jetzt, nach dem zweiten Bauplatztausch, erledigt, empfiehlt dem Kulturbund,
Modellfotos zu überlassen.

26.09.50        BEGINN AUFRISSARBEITEN für Abbund in Born mit Zimmermeister
Papenhagen und Borchmann. Fällen einer Pappel auf dem neuen Bauplatz.

06.10.50        Mennige und Firnis aus West-Berlin eingetroffen.
BEGINN DER FUNDAMENTE mit Betonbrocken und Flugasche.

23.10.50        Eingang Schreiben des Kulturbundes Berlin, wonach Ahrenshoop
unter DENKMALSCHUTZ gestellt wurde und daher seit kurzem Genehmigung
des Landeskonservators in Schwerin (Herr Mansfeld) erforderlich.

05.11.50        Antwort Landeskonservator von Mecklenburg (auf meine Anfrage)
Unterlagen seien an das Ministerium für Industrie und Aufbau in Schwerin,
Hauptabteilung Aufbau, weitergegeben.

09.11.50        BAUSTOPP durch Anruf der Bauaufsichtsbehörde bei Bürgermeister
in Ahrenshoop, Begründung folge schriftlich.

12.11.50        Eingang Schreiben des Ministeriums für Industrie und Aufbau, H.A.
Aufbau in Schwerin: Baulizenz und Baugenehmigung seien angeblich nicht nach-
gesucht. ... Stillegung verfügt, Stellungnahme des Architekten angefordert.

13.11.50        Rücksprache mit Bauaufsichtsbehörde in Rostock: Herr Ladewig
kennt die Gründe der verfügten Stillegung nicht, der Bau sei jetzt für das Baujahr
1951 eingeplant, da im laufenden Jahr keine Baulizenzen mehr ausgegeben werden.

14.11.50        Rücksprache im Ministerium Schwerin ohne Ergebnis. ... Rücksprache
mit Landeskonservator Mansfeld: Stillegung sei auf Beanstandung des Bauplatzes
durchLeitung des Kulturbundes in Berlin zurückzuführen,
die Verträumtheit des Ortes werde durch die Errichtung der Kapelle gestört!

15.11.50      AN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN , Institut für Bauwesen,
Abteilung Siedlungswesen in Berlin geschrieben und gleich mit Plänen und Modell-
fotos hingegangen. Wollte zu Direktor Scharoun. Auf dem Wege dahin, im großen Dachboden, kommt Hermann Henselmann auf mich zu und fragt mich aus, guckt
auf die Fotos
und winkt mich in sein Büro (an den Wänden hängen und auf den
Tischen liegen die Pläne zur Stalinallee in neuer Fassung). ...